11. Handlungsfeld: Soziale Gerechtigkeit

Die Münchner Kindertagesbetreuung setzt sich aktiv für soziale Gerechtigkeit und Armutsprävention ein. Sie stärkt Teilhabe, baut Barrieren ab und unterstützt Kinder und Familien gezielt im Alltag.

Soziale Gerechtigkeit

Visionen

Der Geschäftsbereich KITA sowie alle Träger und Einrichtungen der Münchner Kindertagesbetreuung leisten aktiv einen Beitrag zur kindbezogenen Armutsprävention und setzen Armutssensibilität wirksam auf allen Ebenen um.

Vision 1

Der Geschäftsbereich KITA als auch die Träger der Münchner Kindertageseinrichtungen sind mit den Referaten der Landeshauptstadt München und relevanten Akteur*innen in Bezug auf Armutsprävention vernetzt.

Vision 2

Ziele

Ziel 1.1

Zielgruppenspezifische Schulungs- und Fortbildungsangebote zu armutssensiblem Handeln und sozialer Gerechtigkeit sind für die Mitarbeiter*innen der Münchner Kindertageseinrichtungen und im Geschäftsbereich KITA entwickelt und durchgeführt.

Ziel 1.2

Die Mitarbeiter*innen in den Kindertageseinrichtungen unterstützen armutsgetroffene Kinder und Familien in deren materiellen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Teilhabe und vernetzen sie sozialraumorientiert.

Ziel 1.3

Strukturen und Abläufe der Münchner Kindertagesbetreuung sind in Bezug auf mögliche Barrieren analysiert und in Hinblick auf Armutsprävention entwickelt.

Ziel 1.4

Armutsgetroffene Kinder, Familien und Mitarbeiter*innen sind aktiv eingebunden, wofür entsprechende Beteiligungsformate entwickelt und etabliert sind.

Ziel 2.1

Ein integriertes und vernetztes Vorgehen mit den Referaten der Landeshauptstadt München und relevanten Akteur*innen in Bezug auf Armutsprävention ist etabliert.

Übergreifende Strategien und Maßnahmen

  • Stärkung kindlicher und familiärer Ressourcen durch individuelle Förderung, Beratung und Empowerment-Angebote in den Einrichtungen
  • Veränderung der Rahmenbedingungen, wie kostenfreie Zugänge, bedarfsgerechte Infrastruktur und verlässliche Netzwerke
  • Armutssensibilität als zentrale Voraussetzung für wirkungsvolle Armutsprävention

  • Entwicklung einer armutssensiblen Haltung der Mitarbeiter*innen im gesamten Bereich der Kindertagesbetreuung durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen, Selbstreflexionsangebote sowie die Etablierung diskriminierungskritischer Perspektiven
  • Kontinuierlich evaluierte und bedarfsgerecht ausgerichtete Schulungskonzepte mit flexibler Verfügbarkeit und partizipativer (Weiter-)Entwicklung unter Einbindung armutsgetroffener Personen
  • Kontinuierliche Evaluation der Schulungskonzepte zur Sicherung von Qualität, Wirksamkeit und Aktualität
  • Stärkung der Informationsweitergabe über kostenfreie Angebote der Familienbildung und -beratung (§ 16 SGB VIII) und aktive Weitervermittlung armutsgetroffener Personen
  • Ausbau von Kooperationen mit relevanten Institutionen, Fachstellen und sozialen Organisationen zur Bündelung von Ressourcen und Nutzung von Synergien

  • Förderung einer kritisch-reflexiven Haltung auf allen Ebenen der Kindertagesbetreuung (einzelne pädagogische Mitarbeiter*innen, Teams, Träger, Verwaltung), um Benachteiligungen sowie institutionelle Reproduktionsmechanismen bewusst zu erkennen und zu vermeiden
  • Entwicklung und Verankerung einer gemeinsamen armutssensiblen Haltung in Teams und Trägerstrukturen, die Leitbilder, Konzeptionen und pädagogische Grundsätze prägt
  • Überarbeitung bestehender Konzepte und Leitbilder unter Berücksichtigung von Armutssensibilität
  • Verzicht auf exklusive Angebote, zum Beispiel kostenpflichtige oder nur bestimmten Gruppen zugängliche Formate, und stattdessen Ausbau inklusiver, niedrigschwelliger Angebote
  • Kritisch-reflexive Analyse der Aktivitäten, Strukturen, Abläufe und Hauskonzepte in der Kindertageseinrichtung, gegebenenfalls mit qualifizierter Prozessbegleitung
  • Etablierung von Fallbesprechungen zur Maßnahmenentwicklung für einzelne Kinder

  • Entwicklung individueller Unterstützungsangebote für armutsgetroffene Kinder, unter anderem auf der Basis von Analysen, Gesprächen, systematischer Beobachtungen, Dokumentation und Fallbesprechungen
  • Aktive Einbindung armutsgetroffener Familien
  • Entwicklung und Umsetzung niedrigschwelliger Angebote für Familien
  • Armutssensible Gestaltung von Beteiligungsformaten für armutsgetroffene Kinder und Familien
  • Kindertageseinrichtungen als niedrigschwellige Anlaufstelle für armutsgetroffene Familien, die mit Materialien über Unterstützungsangebote, soziale Dienste und weitere Ressourcen informieren
  • Erleichterung der Zugänge zu Hilfs- und Beratungsangeboten für armutsgetroffener Familien durch pädagogische Mitarbeiter*innen

  • Kooperationen mit lokalen Einrichtungen und Akteur*innen zum Aufbau und Weiterentwicklung von Programmen, die allen Kindern offenstehen
  • Reduktion finanzieller Barrieren durch kostenfreie Angebote für Familien
  • Zugang und Bekanntmachung konsumfreier Spiel- und Lernräume wie öffentliche Spielplätze, Gemeinschaftsgärten, Bibliotheken oder Familienzentren
  • Netzwerkbildung mit sozialen Trägern und Institutionen zur Bündelung von Ressourcen und Schaffung umfassender Unterstützungssysteme

  • Analyse der Strukturen und Abläufe in Bezug auf mögliche Barrieren
  • Integration von Armutssensibilität als Qualitätsmerkmal in der Organisations- und Konzeptionsentwicklung
  • Entwicklung armutssensibler Aufnahmekriterien und -verfahren
  • Etablierung von Armutssensibilität als gemeinsames Qualitätsverständnis durch Verankerung von „Organisationalem Empowerment” auf allen Ebenen der Kindertagesbetreuung

  • Armutssensible Weiterentwicklung vorhandener Infrastruktur, beispielsweise durch kostenfreie Angebote
  • Gezielte Unterstützung besonders belasteter Einrichtungen, etwa durch attraktive Arbeits-bedingungen, multiprofessionelle Unterstützung und passgenaue Maßnahmen
  • Berücksichtigung von Problemlagen aus Leitungsperspektive, beispielweise unzureichende Ausstattung, Personalausfälle, mangelnde Unterstützung
  • Anerkennung von Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteilen als strukturelle Benachteiligung auf Träger- und Verwaltungsebene
  • Bereitstellung von (natur-)nahen Räumen für Kinder
  • Einführung einer differenzierten, anonymisierten Datenerhebung zur gezielten Identifikation und passgenauen Unterstützung von Einrichtungen
  • Einrichtung von Solidaritätsfonds auf Trägerebene

  • Aktive Einbindung armutsgetroffener Kinder, Familien und Mitarbeiter*innen sowie armutsgefährdeter Personen- und Berufsgruppe auf Verwaltungs- und Trägerebene, unter anderem durch faire Bezahlung und gezielte Beratung
  • Anerkennung der Ressourcen und Perspektiven armutsgetroffener Personen(-gruppen) als Expert*innen in eigener Sache
  • Ausbau und Verankerung verbindlicher Beteiligungsformate und Gremien mit Repräsentanz armutsgetroffener Kinder, Familien und Mitarbeiter*innen
  • Entwicklung und Implementierung niedrigschwelliger Beteiligungsangebote, die an die Lebensrealitäten armutsgetroffener Kinder und Familien angepasst sind

  • Weiterentwicklung der konzeptionellen Integration der Kindertagesbetreuung in die Sozialplanung
  • Sicherung der Integration von Kindertageseinrichtungen als räumliche Ressourcen und offene Begegnungsorte im Sozialraum
  • Etablierung verbindlicher interdisziplinärer Vernetzungsstrukturen zur abgestimmten Weiterentwicklung kommunaler Angebote wie Präventionsketten
  • Aufbau von Netzwerken mit relevanten Akteur*innen in allen Stadtbezirken zur regelmäßigen Bedarfs- und Ressourcenanalyse sowie zur Entwicklung und Evaluation adäquater Angebote
  • Entwicklung einer kommunalen Gesamtstrategie zur Armutsprävention
  • Förderung stadtweiter Sensibilisierung für die Bedarfe Armutsgetroffener
  • Ausbau einer landes- und bundesweiten Vernetzung
  • Sicherung einer systematischen Evaluation bestehender Maßnahmen durch wissenschaftliche Kooperationen mit Hochschulen und Forschungsinstituten zur Integration aktueller Erkenntnisse in neue Handlungskonzepte
  • Sicherung der kontinuierlichen fachlichen Abstimmung

Nachhaltigkeitsziele

SDG 1
SDG 4
SDG 10
SDG 16